From: dl5di%db0lj.bbs@db0lj.ampr.org Newsgroups: ampr.de.regional.myktcp Distribution: ampr Subject: TCP/IP bei DB0LJ, Teil 2: Grundlagen TCP/IP Message-ID: Date: Sat, 02 Mar 2002 16:01 UTC X-Forwarded: db0lj.ampr.org by DPBOX2RFC (dl5di,20020219) Path: db0lj.ampr.org!!db0lj! Lines: 324 Xref: db0lj.ampr.org ampr.de.regional.myktcp:980 Date: Sat, 02 Mar 2002 16:46:10 +0100 From: dl5di@db0lj.ampr.org To: LOKAL BID: <200203021601.RAA00678@db0lj.ampr.org> X-Forwarded: db0lj.ampr.org, 02.03.2002 16:01 by rfc2dpbox (dl5di,20010608) 2. Grundlagen zum Thema TCP/IP (speziell ueber Packet-Radio): TCP/IP ist eine Protokollfamilie fuer Datenuebertragungen, sehr bekannt daher, dass das Internet darauf basiert und damit arbeitet. Zu dieser Protokollfamilie gehoeren Protokolle zur Uebertragung von EMails, Downloads von Daten und Programmen, fuer das Surfen im Web, zum Austausch von Uhrzeiten, Adressen, zum Vernetzen von Rechnern, fuer Chat-Runden und viele viele mehr, bis hin zur Uebertragung von Bild- und Ton-Datenstroemen und zur digitalen Telefonie, dem "Voice-over-IP". Wer im Internet etwas aktiv ist, kennt sicherlich einiges davon, vielleicht nutzt er es unbewusst. Im Gegensatz zu propritaeren, von Funkamateuren mal entwickelten Protokollen, wie wir sie z.B. vom Store&Forward zwischen den Boxen, von Binaer- Uebertragungen und zum Auslesen von Mails aus den Boxen, fuer die Kommunikation zwischen Digipeatern usw. kennen, handelt es sich hier um weltweite Standards, die in sog. RFCs fuer jederman nachlesbar beschrieben sind und somit eine Kompatibilitaet sicherstellen sollen. Ein Hinweis dazu: Dies soll keine Bewertung sein, Standards sind gut und haben viele Vorteile, aber natuerlich haben auch propritaere Protokolle grosse Vorteile, denn die sind an die Beduerfnisse oft besser angepasst als Standards, die in vielen verschiedenen Umgebungen passen muessen. Unser Hobby soll zum Experimentieren dienen und es sollte Platz fuer beides haben. Schon vor Jahren kamen OMs auf die Idee TCP/IP auch ueber Packet-Radio zu nutzen und damit auch Standard-Software fuers Internet fuer Packet-Radio- anwendungen nutzbar zu machen. Dabei werden TCP/IP-Pakete ueber AX25-Pakete auf normalen Digipeaterzugaengen und Linkstrecken uebertragen, der Einstieg muss also nicht speziell dafuer geeignet sein. Es wurde eigens fuer das Packet-Radio-Netz ein sehr grosser Bereich an IP-Adressen reserviert, das sind die Adressen, die man fuer TCP/IP benoetigt. Zu der Zeit hatte noch niemand eine Vorstellung welches Ausmass das Internet nehmen wird und wie begehrt und rar diese Adressen werden. Der Amateurfunk hat durch diesen fruehen Einstieg weltweit mehr als 16 Millionen IP-Adressen zur Verfuegung, die uns fest zugewiesen sind und niemand anders im Internet verwenden kann. Heute waere sicherlich niemand mehr so grosszuegig uns diese heissbegehrten Adressen in solch einem Umfang zu schenken. Jeder an einem TCP/IP-baserenden Netz direkt teilnehmende Rechner bekommt eine solche Adresse, genauer noch, jede Netzwerk-Schnittstelle. Ein Geraet, kann damit mehrere Adressen bekommen, wenn es ueber mehrere Schnittsstellen an unter- schiedlichen IP-Netzen haengt, z.B. ueber ein Modem am Internet und ueber eine Netzwerkkarte am hausinternen LAN oder ein anderes "Modem/TNC" am Packet-Radio-basierenden Amprnet. (ueber die offizielle, gesetzliche Regelung und die inoffizielle, gerne verbreitete Zulaessigkeit solcher Systeme mit PR- und Internet-Anbindung informiert Euch bitte an anderer Stelle). Im Internet hat man meist mit dem Thema IP-Adressen nichts zu tun, man merkt es zumindest nicht, denn die Adresse wird dort in der Regel vom Provider beim Einstieg zugewiesen und von der Software automatisch konfiguriert. Sie aendert sich bei normalen Home-Usern in der Regel bei jeder Anwahl (dynamische IP-Adressen), denn es gibt nicht genug Adressen fuer jedermann und es gibt auch technische Gruende dafuer. Das Konzept der IP-Adressen wird derzeit ueberarbeitet, es werden neue Adressregelungen schrittweise realisiert, mit dem Ziel, dass jeder Mensch auf der Welt irgendwann einmal genug Adressen hat, um jedes geeignete elektronische Geraet im Haus fest zu adressieren. Man kennt die Zukunftsvision der vernetzten Kuehlschraenke, die selbst shopping gehen etc... Davon sind wir zwar noch etwas entfernt, die anstehende CeBit wird sicehr wieder neues bringen, die neuen Adressen werden zumindest auf den Datennetzen im Hintergrund schon realisiert. Wer Interesse hat, kann sich seine gerade zugewiesene IP-Adresse waehrend einer Internetverbindung mit Windows ansehen, man geht z.B. unter START/Ausfuehren und gibt den Befehl "winipcfg" ein (das steht fuer "WINdows-IP-ConFiGuration") Der Rechner hat eine Adresse pro TCP/IP- Netzwerkverbindung und man kann weitere Daten dort einsehen. Bei Packet-Radio vergeben wir ueblicherweise feste Adressen fuer jeden Rechner, denn wir haben genug davon und das staendige Umkonfigurieren war bisher auch nicht so einfach. Unsere Digipeater DB0LJ und DB0QT vergeben auch temporaere IP-Adressen (HELP GETIP auf den Digis). Die Adressen sind aufgebaut in 4 Bytes und werden ueblicherweise in der Form x.x.x.x geschrieben, x steht jeweils fuer eine Zahl zwischen 0 und 255 (1 Byte), z.B. 44.130.42.100. Das Adresssystem ist hierarchisch aufgebaut, weiter vorne stehen Nummern, die ganze Gruppen, die sog. "Netze" festlegen, weiter nach hinten wird es dann feiner spezifiziert und die komplette Nummer charakterisiert genau ein Netzwerkinterface. Die Adressen der Funkamateure fangen alle mit 44. an, das ist ein eigenes Netz, das sog. Amprnet, das steht fuer AMateur-Packet-Radio- Network. Wir haben hinter der 44 also 3 Bytes mit je 255 Moeglichkeiten frei verfuegbar, daraus ergeben sich die bereits erwaehnten 255*255*255=ca 16 Mio Adressen. Oft verwendet man an Stelle der IP-Adressen sog. Hostnamen wie z.B. db0lj.ampr.org. Diese Hostnamen haben nur den Sinn, es den Menschen leichter zu machen, sich die Adressen zu merken. Intern werden diese Hostnamen in IP-Adressen umgewandelt, ein Rechner kann damit nichts anfangen. Diese Hostnamen enden beim amprnet alle auf ".ampr.org.". Dieser sog. Domainname gilt fuer das Amprnet und damit fuer alle Adressen, die mit "44" anfangen. Die sog. Top-Level-Domain ".org" ist fuer nicht kommerzielle Organisationen vorgesehen, die Subdomaine ".ampr" steht wieder fuer AMateur-Packer-Radio. Man kann Ziel entweder mit der IP-Adresse eingeben oder mit dem Hostnamen, ersteres sollte immer funktionieren, letzteres funktioniert nur dann, wenn der Rechner entsprechend eingerichtet ist fuer eine Umwandlung (resolving). Die Umwandlung dieses Hostnamens in die Adresse geschieht entweder auf dem eigenen PC, dazu braucht man eine Datei im Windows- Verzeichnis (genauer Ort abhaengig von der Windows-Version) mit dem Namen "hosts". Das ist eine Tabelle mit den IP-Adressen und den Hostnamen dahinter. Ein Muster sollte dort liegen (hosts.sample oder aehnlich). Eine Tabelle fuer unsere Region findet man bei DB0LJ-8 im Fileserver und in den Webservern unter /db0lj/tcpip. Da das alles etwas umstaendlich zu pflegen ist und man da dauernd alle moeglichen Adressaenderungen nachhalten muesste, benutzt man das meist nur fuer wenige, immer benoetigte Namen und sonst fuer die Masse einen sog. "Nameserver" oder "DNS" (Domain-Name-Server). Das ist ein Server, der einem auf Anfrage zu einem Hostnamen die zugehoerige IP-Adresse liefert oder umgekehrt. Sowas laeuft nach richtiger Konfiguration alles automatisch ohne eigenes Zutun im Hintergrund. Der Server bei DB0LJ bietet diesen DNS-Service an, kann alle fuer uns interessanten Adressen hin- und herwandeln, mehr dazu spaeter bei der Konfiguration. Unsere 44iger Adressen gibt es im Internet nicht nochmal, so wie grundsaetzlich alle IP-Adressen wirklich einmalig im Netz sein muessen, sonst gibt es Chaos. Es gibt einige "Netze", also Adressbereiche, die man privat oder in den Firmennetzen ohne Internetanbindung frei verwenden kann (INTRAnet im Gegensatz zu INTERnet), aber ansonsten sind alle Adresse einmalig. Wer zuhause mehrere PCs vernetzen moechte und heute oder spaeter vielleicht mal auch ans Internet mit einem der Rechner gehen will, sollte die Adressen 192.168.x.x (oder 10.x.x.x oder 172.16.x.x) benutzen. Diese Adressbereiche gibt es im Internet nicht, damit gibt es spaeter auch keinen Konflikte, sie sind ausschliesslich fuer interne Zwecke vorgesehen. Wer mehrere Rechner im Haus vernetzt hat und TCP/IP ueber Packet machen will, braucht nur eine 44iger Adresse fuer den Rechner, der wirklich das Packet-Interface hat, nicht fuer jeden anderen ! Genauso bekommt beim Connect zum Internet nur der Rechner mit dem Modem die Internet-Adresse zugewiesen, es gibt nicht mehrere Adressen. Die anderen Rechner sollten besagte 192.168.x.x-Adressen bekommen. Trotzdem koennen bei entsprechender Einrichtung alle Rechner fuer PR oder Internet genutzt werden. Wie das geht soll aber nicht Sache dieser Grundlagen sein. Es duerfte mit diesen Erlaeuterungen klar sein, dass eine Koordinierung der Adressvergabe erforderlich ist und genau festgelegt ist, wer welche Adressen vergeben darf. Offiziell gibt es fuer alle 44iger Adressen einen verantwortlichen Mann, der sitzt in den USA. Die Eintraege erfolgen zentral bei ucsd.edu, der University of California in San Diego. Da dieser Koordinator wie die meisten anderen Menschen nur 2 Arme und 2 Beine hat und damit als SysOp eigentlich denkbar ungeeignet ist, hat er die Zustaendigkeiten an lokale Koordiniatoren in den verschiedenen Laendern deligiert. Nach dieser "44" fuer das Netz der Funkamateure kommt eine Zahl fuer das Land, in dem der Adresseigentuemer sitzt. Fuer DL ist das die 130, alle deutschen Adressen starten also mit 44.130.x.x Fuer diejenigen, die es interessiert, im Fileserver und den Webservern findet man unter /ucsd.edu ein File "amprnets", da stehen die Adressen der ganzen Laender der Welt drin. Man braucht sie aber nicht fuer seine Konfiguration. (zur Schreibweise in der Liste: 44.002/18 bedeutet, die ersten 18 Bit beschreiben dieses Sub-Netz) Bei der Eingabe der Adresse gebt bitte keine fuehrenden "0" eingeben, also nicht "044" ! In DL haben wir den Adressbereich noch weiter runtergebrochen und in weitere Subnetze aufgeteilt. Es gibt hier Verantwortliche in bestimmten Regionen, die wir an die Postleitzahlen des Wohnorts geknuepft haben, um es eindeutig zu machen. Ich vergebe Adressen z.B. fuer die Region um Koblenz, Postleitzahlgebiet 56xxx, das ist die Region 44.130.42.x (das entspricht 44.130.42/24, 3 mal 8 = 24 Bits) Nichtsdestotrotz werden alle diese Adressen zuerst in DL gesammelt und koordiniert und dann zentral in den USA registriert. Dort holen sich die bereits erwaehnten Nameserver dann ihre aktuellen Infos. Die aktuellen Listen aller weltweit vergebenen Adressen findet man bei DB0LJ-8 im Fileserver unter /ucsd.edu und auch in den Webservern (und natuerlich im Internet bei ftp://ftp.ucsd.edu/hamradio). Soweit das Administrative, jetzt zur Technik, weiter geht es mit Teil 3 ! 73 de Hans-Juergen, DL5DI AX-BBS: db0lj.deu.eu Amprnet/Internet: dl5di@db0lj.ampr.org Homepage: http://dl5di.db0lj.de Besuch auch die Homepage der Packet-Radio-Gruppe-Mittelrhein e.V. HamWeb: http://db0lj.ampr.org Internet: http://www.db0lj.de